Tschechien – Franco Ramirez denkt um

Jun 23, 2020 | Aktuelles, Jugend im Shutdown

„Unser Lebensstil ist auf die unbegrenzte Verfügbarkeit von Ressourcen ausgerichtet.“

Ich bin Franco Ramírez, ich stamme aus Mexico City, lebe aber seit mehreren Jahren in Tschechien. Ich bin von Beruf Restaurator. Durch die Pandemie hat sich mein Leben grundlegend verändert, aber ich bin gut davongekommen.

Viele junge Leute wurden in den zurückliegenden Wochen arbeitslos oder haben von sich aus ihren Job aufgegeben, weil sie die Situation enorm verunsichert. Sie sind wieder zu ihren Eltern gezogen, weil sie ihre Miete nicht mehr bezahlen konnten.

Anfang des Jahres habe ich noch in Prag gelebt und wollte dort mit Freunden ein Restaurant eröffnen. Ich wäre für die Einrichtung zuständig gewesen. Dann kam Corona, und wir mussten die Idee verwerfen. Jeder von uns arbeitet wieder in seinem Brotberuf. Ich persönlich bin froh, dass es nicht dazu kam, dass wir unser Vorhaben umgesetzt haben. Für Gründer ist die Situation diffus. Die Pandemie hätte uns zu schaffen gemacht. Durch die Umstände war ich allerdings gezwungen, meine Wohnung in Prag ebenfalls aufzugeben und umzuziehen. Ich bin in Karlovy Vary gelandet. Die Stadt ist klein und die Umgebung ländlich, aber aufgeräumt. Tatsächlich habe ich mich durch die Krise und den Ortswechsel intensiv damit auseinandergesetzt, was ich wirklich brauche und was im Leben verzichtbar ist. Ich habe mich von vielen Dingen getrennt.

Das ist meine Situation im Frühjahr 2020: Ich habe gemerkt, dass unser Lebensstil auf die unbegrenzte Verfügbarkeit von Ressourcen ausgerichtet ist. Man sammelt Zeug an, das man entweder gar nicht verwendet oder in geringerem Maße, als man es hat. Ich bemühe mich jetzt, weniger materialistisch zu denken. Ich bezweifle, dass mir der Schritt ohne den Shutdown so bewusst gewesen wäre.

Ich hatte Glück, dass ich in der Pandemie nicht arbeitslos wurde. Ich habe einen Job in der Denkmalpflege. Ich kann viel draußen arbeiten, das gefällt mir gut, und ich habe etwas zu tun. Die Einschränkungen sind leichter zu ertragen, wenn man nicht dauernd darüber nachdenkt. Wir haben zwar Lieferengpässe beim Arbeitsmaterial, es gibt überall Aufschub, aber wir mussten nicht in Kurzarbeit. Schwierig finde ich die Situation für die Menschen, die auf dem Bau arbeiten. Gerade Zeitarbeiter, die können weder Home Office machen, noch erhalten sie Lohnfortzahlungen. Die müssen weiterarbeiten – sonst war’s das.

Ich möchte in Europa bleiben. Ich habe einen Vertrag und verdiene Geld. Bisher hat die Regierung meine Aufenthaltserlaubnis immer verlängert, ich hoffe Corona ändert daran nichts.

Text: Franco Ramírez

Redaktionelle Bearbeitung durch Dr. Tanja Kasischke

  1. Mai 2020

Wichtige Termine

  • 25.07.2024 - 27.07.2024
    Jugendmedienworkshop zum UN-Zukunftsgipfel

    Im Vorfeld des UN-Zukunftsgipfels im September, werden wir gemeinsam mit der DGVN in Bonn mit „Vlog the Future“ einen Jugendmedienworkshop durchführen.

  • 26.09.2024 - 30.09.2024
    Konferenz-Teilnahme in Nordmazedonien

    In Krusevo/Nordmazedonien nehmen wir mit 5 Kolleg*innen an einer Jugendkonferenz teil, die Jugendmedien als Kernthema bearbeiten wird.

  • 07.10.2024 - 12.10.2024
    Jugendmedien und Medienkompetenz im Fokus

    Mit unseren nordmazedonischen Kolleg*innen von der Youth Alliance Krusevo werden wir uns in Bonn und Köln mit dem Themenschwerpunk „Jugendmedien und Medienkompetenz“ beschäftigen.

  • 04.11.2024 - 10.11.2024
    Besuch von israelischen Fachkräften in Berlin

    Fünf Kolleg*innen aus Israel informieren sich in Berlin rund um das Thema „Networking and building bridges in society through education“

  • 09.12.2024 - 15.12.2024
    Informationsreise nach Israel

    Informationsreise nach Tel Aviv, Jerusalem und Haifa für Fachkräfte der Jugendhilfe und Journalist*innen. Thema: „Networking and building bridges in society through education“.