Schweden: Kein Plan B für „Plan B“

Jun 23, 2020 | Aktuelles, Jugend im Shutdown

Die Clubszene in Malmö kämpft ums Überleben

Schweden hat einen Sonderweg im Umgang mit der Pandemie gewählt, Herdenimmunität und Eigenverantwortung statt des staatlich verordneten Stillstands. Nachdem die Fallzahlen lange moderat waren, steigen die Infektionen nun ausgerechnet zu Beginn des Sommers – dem Höhepunkt des schwedischen Kalenders – an. Trotzdem steht mehr als die Hälfte der Skandinavier weiter hinter dem Kurs, hält Abstand, handelt einfallsreich. Ein Beispiel aus Malmö.

Es gab keinen Plan B für „Plan B“, so heißt ein angesagter Club mit Konzertbühne unweit des beliebten Viertels Möllan mit seinen Straßencafés und kleinen Läden. Das Möllan, übersetzt Mühlenviertel, ist die Lower East Side Malmös. Auch dort gingen Mitte März Lichter aus und Türen zu, Clubs wurden geschlossen, nur die Gastronomie durfte mit Einschränkungen weiterlaufen. Carlo Emme, Betreiber des Plan B, wanderte auf dem schmalen Grat zwischen Vorschriften und der Verpflichtung gegenüber seinen Mitarbeitern. Die wollte er nicht entlassen müssen. Ebenso trieb ihn die enorme Fallhöhe bei den auftretenden Künstler um: Kein Einkommen, kein Auskommen. Die Pandemie hatte die Auftragslage Kulturschaffender in Schweden wir überall in Europa zum Erliegen gebracht. Ein Ende war nicht absehbar, im Gegenteil: Gesundheitsexperten wie der US-Amerikaner Zeke Emanuel prognostizierten, Clubs und Konzertbühnen könnten bis 2021 geschlossen bleiben. Trotz Soforthilfen durch die Regierung – in Schweden gab es diese im Kulturbereich nicht – wäre das für das Gros der Veranstalter das wirtschaftliche Aus.

Seinen erst 2014 gegründeten Club zu schließen, kam für Carlo Emme deshalb nicht infrage. „Wenn niemand kommt, sind wir insolvent.“ Also improvisierte er, entwarf ein Konzept, das die Behörden einerseits zufriedenstellte, den Malmöern andererseits ein Stück subkulturelle Normalität in Zeiten von Covid-19 erhielt. Aus der zuvor reinen Konzertbühne mit Bar wurde ein Pop Up-Restaurant mit reduzierten Live-Acts. Von 350 Gästen, die üblicherweise ins Plan B strömten, wurden pro Öffnungstag nur noch 40 eingelassen. Registrierung: Obligatorisch.

Die Socially-Distanced-Konzerte hätten sich surreal angefühlt, kommentierten die Gäste, doch das Modell fand schnell Anklang. Die Abstandsregeln behielten sowohl die Betreiber des Plan B als auch die Polizei im Auge. Ergebnis: Alle kamen den Hygienemaßnahmen nach, insbesondere die Musiker, dankbar auftreten zu dürfen. „Wir waren immer dafür bekannt, Dinge ein bisschen anders zu machen, um zu überleben“, so Carlo Emme.

Beim Public Viewing nahm es Plan B zuletzt nicht mehr so genau und ließ einige Fußballfans spontan ein. Prompt gab es eine polizeiliche Rüge. Tags darauf entschuldigte sich Emme auf Facebook und ermahnte die Malmöer, ihren Besuch ab sofort wieder ordnungsgemäß anzumelden. Was auch geschah.

Text: Dr. Tanja Kasischke

  1. Juni 2020

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